johannes lacher

Geboren 1940 in Marburg/Lahn, Ausbildung an der Akademie der bildenden Künste in München, Master of Fine Arts an der University of Georgia in Athens, USA, eine fast 20-jährige Lehrtätigkeit an diversen Hochschulen in den USA, zahlreiche Gastprofessuren, internationale Auszeichnungen und Preise - die Vita beschreibt Johannes Lachers erfolgreiches Leben als Maler und Dozent. Die Bilder, eigentlich der konstruktiven Kunst zuzuordnen, geben jedoch eher einen Kommentar zu konstruktivistischen Bildgegenständen ab. Die Position der geometrischen Form - häufig Kreise oder Quadrate scheinen manchmal das Format verlassen zu wollen, manchmal fallen sie in das Bild hinein. Das für die konstruktivistische Malerei typische Monochrome der Farbflächen wird durch einen vermeintlich unfertigen, aufgebrochenen Farbauftrag hinterfragt und erschließt auf diese Weise neue Möglichkeiten konstruktivistischer Malerei.

jo über...

Johannes Lacher kenne ich seit vielen Jahren über die Galerie Ursula Grashey in Konstanz, die uns beide im Programm hat. Wir haben in Konstanz und auf der Art Frankfurt gemeinsam ausgestellt. Wenn man zu Johannes Lacher ins Atelier kommt, fällt zunächst auf, wie aufgeräumt es ist. Es ist eigentlich das Gegenteil von dem Atelier in Ludwigsburg, in dem ich und mittlerweile auch Oliver Woye (und der, wie man ohne ihn zu verletzen, anmerken kann: in noch größerem Maße als ich ) unser Unwesen treiben. Während wir unter den Bergen von Papier und Farbresten eine Rasterfahndung nach einem Bleistift einleiten müssen, findet man die Bleistifte bei Johannes Lacher der Größe nach sortiert in Griffweite, und ich nehme an, sie sind immer angespitzt.

Die Ordnung ist keinesfalls ungemütlich. Man spürt vielmehr die Sorgfalt und die Bedachtheit, mit der Johannes Lacher arbeitet, und wenn man seine Malerei betrachtet, dann versteht man, warum das Umfeld so geordnet sein muss. Die Bildfläche hat immer eine eher monochrome Farbe. Sie ist weiß oder sie hat ein eher schräges Grün, ein seltsames Hellblau oder ein Orange (das vor zwei Jahren ebenfalls noch schräg war, aber heute sehr angesagt ist). Die Bildgegenstände sind fast ausschließlich Quadrate oder Kreise, wieder in den erwähnten Farben. Bis dahin ist Johannes Lacher einfach ein Konstruktivist. Doch betrachtet man das Detail, dann fällt auf, dass alles sozusagen nicht so ganz stimmt, oder eben etwas anders ist. Der Farbauftrag ist unebenmäßig. Da und dort schimmert das rohe Holz durch die Farbe hindurch. Die Kreise oder Quadrate sind eine Nuance gegenüber der Position, an der sie eigentlich sein sollten, verrückt. Manchmal scheinen sie aus dem Bild fallen zu wollen, oder sie sind nur zufällig vorbeigekommen.

Die Malerei von Johannes Lacher ist raffiniert - nur ohne dabei spekulativ zu sein. Sie ist das Ergebnis der jahrzehntelangen konzentrierten und disziplinierten Arbeit. Sie findet in Kenntnis dessen statt, was es schon gibt und variiert dieses auf hohem Niveau. Fast scheint sich dabei eine leise Ironie einzuschleichen. Johannes Lacher ist auf diese Weise ein konstruktiver Maler, der in seiner Malerei gleichzeitig auch einen Kommentar zur konstruktiven Malerei abgibt.

Johannes Rave im April 2002