tom leonhardt

Nur wenige Künstler haben ein Thema derart durchdringend und mit einer solchen Fülle von Arbeiten beleuchtet wie Tom Leonhardt seine "Giardini". Weit über einhundert Arbeiten entstanden in diesem mehr als sechsjährigen Zyklus und führen den Betrachter auf immer neue Weise an das Thema heran. Mal üppig, auswuchernd und farbenfroh, mal zurückhaltend und nahezu monochrom. Immer liegt diesen Arbeiten jedoch derselbe Aufbau zugrunde: ein Jahrhunderte alter Bauerngarten, dessen Erhaltung sich Tom Leonhardt verschrieben hat, bildet mit seinem Grundriss die Plattform für diese Arbeiten. Stets in einem neutralen, quadratischen Format trägt der Künstler Schicht um Schicht die Farbe auf diesen Grundriss auf und schafft auf diese Weise immer neue Aspekte des selben Themas. Tom Leonhardt führt den Betrachter mit seinen Wassergärten auf immer neue, faszinierende Weise durch diesen Bauerngarten. Ergänzt werden seine "Giardini" durch zahlreiche Arbeiten aus der mittlerweile über 1000 Zeichnungen umfassenden Serie "Rudern für Liebhaber".

vita

Persönliche Daten

1958 geboren in Rielasingen

1986-1992 Studium an der Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart

1987-1992 Organisation und Realisation des Ausstellungsprojekts Kunst im Umspannwerk, Singen

1993 Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg für Malerei

1996 Gemeinsam mit den Künstlern Peter Sehringer und Erwin Holl Entwicklung des neuen Farbkonzeptes der Staatsgalerie Stuttgart

Ausstellungen. Auswahl

1983 Galerie Vayhinger, Möggingen (B)

1984 Kunst um den Bodensee: Singen/Friedrichshafen/Bregenz (B)

1987-1992 Kunst im Umspannwerk, Singen (B)

1990 Galerie im Riegelhaus, Hüttwilen (CH), (E)

1991 Kultur unter dem Turm, Stuttgart (B) Kunstverein, Biberach (E)

1992 Galerie Grashey, Konstanz (E)

1992-1993 Programmgestaltung der Galerie am Wasserturm, Konstanz

1993 Kempinski Plaza, Berlin (B)

1994 Stipendiaten der Kunststiftung Baden-Württemberg Museum Ulm (B) Kunstmuseum der Stadt Singen (B)

1995 Rudern für Liebhaber, Kunststiftung Baden-Württemberg, Stuttgart (B)

1996 Kunstmuseum der Stadt Singen (B)

1997 Pantho, Stuttgart (E)

1998 Forum VEBIKUS, Schaffhausen, CH (E) Villa Bosch, Kunstverein Radolfzell (B) Seeblick - Dt. Künstler am Bodensee im 20. Jahrhundert, Konstanz (B) Jahresausstellung Kunstverein Volkertshausen (B) Bausparkasse Schwäbisch-Hall (B)

1999 Mc Kinsey, Stuttgart (E)

2000 Landesgartenschau, Singen (B) Galerie Kicherer, Aach (E) Galerie Riegelhaus, Hüttwilen CH, (E)

Öffentliche Ankäufe

Staatsgalerie Stuttgart, Regierungspräsidium Stuttgart, Landratsamt Friedrichshafen, Stadt Singen, Stadt Echterdingen-Leinfelden, Gemeinde Öhningen, Bausparkasse Schwäbisch-Hall, Bezirkssparkasse Singen, Stadt Konstanz

(E) Einzelausstellung, (B) Beteiligung


jo über...

Tom Leonhardts eindrückliches Bild "11.September" führt uns zu einer politischen Malerei - und wieder weg von ihr. Wir sehen eine Art Luftbild, den Blick auf eine Stadt von oben, mit einer Stadtarchitektur, die Manhattan sein könnte. Tatsächlich bestätigt Tom Leonhardt diesen politischen Ansatzpunkt: es geht um Urbanität, aber auch um deren Hintergründe, Überbevölkerung und dem Druck der dritten Welt auf die erste. Und gleichzeitig geht es um all das nicht. Es ist, als führe die gedank-liche Welt eines am Weltgeschehen interessierten, eines politischen Menschen über die zeitgeschichtlichen Ereignisse und durch diese hindurch in die Malerei hinein. Denn das, was da am Ende fertig gestellt ist, ist pure Malerei. Farben und Flächen, grafische Muster und Linien durchdringen einander, und das, was da entsteht ist irgendwann gleich-zeitig das Thema wie eben "11.September" - und ist auch eine Malerei, die unabhängig von ihrem Thema für sich alleine steht. Verständlich wird diese Beschreibung gewiss allen denen, die Tom Leonhardts Ausstellung, die art + zur Zeit im Golfclub Kirchheim-Wendlingen veranstaltet, gesehen haben. Dort zeigt er Arbeiten aus dem gewaltigen Zyklus: "Gardino". Das sind Bilder, die immer als Grundriss die Wege eines Gartens haben, den Tom Leonhardt gepach-tet hat. Über einhundert Ölbilder sind so entstanden, eine beein-druckende Zahl, wie sie mir zu einem Thema außer bei Kleinformaten nicht bekannt ist - und all das hat in erster Linie eine Funktion: eine Fläche zu definieren, auf der Malerei stattfinden kann. Und dies vollbringt die Malerei: mal tastet sie sich in die Fläche hinein, bleibt verhalten und schlicht, dann finden sich große, ornamentartige Muster, wieder bei anderen versinkt die Bildfläche unter einem Muster üppiger Farben.

Ich kenne Tom Leonhardt seit vielen Jahren - er ist mein ältester und beharrlichster (Maler-)freund. .Es sind schon fast zwei Jahrzehnte her, dass wir zusammen Malerei studiert haben. Als er damals von der Zeichnung zur Malerei kam - ohne erstere zu vernachlässigen - hat er sich in die Malerei hineinbegeben, wie kaum ein Künstler, den ich kenne, und von denen viele die Malerei zugunsten modernerer oder auch modischerer Disziplinen aufgegeben haben. Tom Leonhardt könnte sich zweifelsohne auch da versuchen; aber er will es nicht, sein Thema ist die Malerei, und dadurch wird bei ihm alles Malerei: der Blumengarten und der 11.September.

Johannes Rave im April 2002