bettina rave
Bettina Rave - "Querfeldein"
Die Serie "Querfeldein" besteht aus bislang 64 Einzelbildern. Die kleinste Einheit stellen jeweils vier Bilder dar, die sich wiederum zu größeren Blöcken formieren. Die Motive sind allesamt landschaftlicher Natur, jedoch nie im traditionell abbildenden Sinne. Sie können grundsätzlich sowohl gegenständlich als auch abstrakt wahrgenommen werden - die Interpretationsmöglichkeiten für den Betrachter bleiben offen. Immer rufen sie jedoch - besonders als Gesamtinstallation - landschaftliche Assoziationen hervor. Fragmente, unscharfe Erinnerungsschnipsel, wie mit subjektiver Kamera aufgezeichnete Schnappschüsse. Ein pittoresker Gewitterhimmel, Schlamm, Gestrüpp, die Motive sind ausgesprochen unspektakulär und in diesem Sinne realistisch. Ob Wolke oder Grashalm, alles ist gleich groß, gleich wichtig. Die Bilder hängen nicht plan an der Wand, sondern stehen ca. 3 cm von dieser ab. Die Kanten sind irregulär abgerundet und weich. Obgleich es sich um reine Malerei handelt, nähern sich die Bilder durch diese Art der Ausführung Objekten an.
jo über...
Von Bettina Rave möchte ich hier zwei für ihre malerische Arbeit repräsentative Arbeiten vorstellen: zunächst einmal die schmalen, fast brettartigen Formate, die in abgestuften Blautönen Worte des Morsealphabets umsetzen. Die Arbeiten dieses Zyklus spielen mit Worten, die als Morsezeichen in Farbfelder umgesetzt werden. Meist gibt es Dreiergruppen, wie unser Beispiel "laut oder leise". Die Bilder sind aber auch einzeln erhältlich - die Zusammenfassung in Dreiergruppen ist eher eine spielerische.
Hier wird eines der Hauptthemen von Bettina Rave vorgeführt: die Auseinandersetzung mit Text, Wort, Schriftzeichen. Eine zweites großes Thema sind Landschaften wie beispielsweise das mehrteilige Werk "Querfeldein". Ähnlich wie bei den Morsezeichen, ist auch hier eine Gesamtzahl einzelner Arbeiten nicht definiert. Die kissenartigen Bilder beschreiben, was das Auge bei einem Spaziergang auf dem Land erfasst: Himmel, Acker, Wiesen. Man könnte sie einzeln aufhängen, oder zu zweit, in kleinen und großen Gruppen, sogar über mehrere Wände eines Raums verteilt. Die dritte Gruppe ist hier nicht berührt: Bettina Rave ist auch Filmemacherin. Die Filme zeigen Aspekte, die auch in den Werkgruppen benannt werden. Die Kamera streift langsam über einen weiblichen Körper; in einem anderen Film ist sie unter Wasser montiert und erfasst nur das, was die Strömung vorbei treibt. Setzt man alle diese Aspekte in Beziehung zueinander, dann findet sich der Schlüssel in dem, das all diesen Werkgruppen gemeinsam ist: Bettina Raves Weltsicht ist eine ganz und gar ästhetische. Sie beschreibt keine Brüche, keine Dissonanzen, und sie liefert keine philosophische Grundsatzerklärung. Ihre Kunst ist sanft und leise, wie das Auge der Kamera. Der Blick ist wohlwollend. Die Stille und die Selbstgenügsamkeit in vielen ihrer Bilder mutet manchmal fast religiös an - vielleicht mit einer buddhistischen Note.
Johannes Rave im April 2002









