johannes rave

Johannes Rave wurde 1955 in St. Georgen im Schwarzwald als Sohn eines Pfarrers und einer Grafikerin geboren. Die elterliche Familie zieht mehrfach um, zunächst nach Baden-Baden, dann an den Bodensee, später nach Heidelberg. Johannes Rave erlebte diese Wechsel als einen wiederholten Heimatverlust; später als etwas Unbeständiges, nicht Sesshaftes in der eigenen Lebensgestaltung, aber auch in seiner künstlerischen Arbeit. 1978 beginnt er sein Malereistudium. Der erste Zyklus entsteht Anfang der achtziger Jahre und zeigt abstrakt-expressive Bilder zur toskanischen Stadt Siena - eine Liebeserklärung an den Campo, den muschelförmigen Platz in der Mitte der Stadt. Es entstehen Ölbilder und Aquarelle. Letztere werden zum Zentrum der Malerei von Johannes Rave. In dieser Zeit sind sie farbenfroh und leicht. Johannes Rave lebte überwiegend am Bodensee. Eine enge Freundschaft verbindet ihn mit dem Maler Tom Leonhardt. 1986 kehrt er nach Stuttgart zurück. In den folgenden Jahren werden die großformatigen Bilder dunkler und düsterer, gleichzeitig einfacher. Schwarz, das er bis dahin überhaupt nicht verwendet hatte, wird zu seiner Hauptfarbe, oft kombiniert mit einem kühlen Weiß. Es entstanden düstere Landschaften, vor allem eine Zyklus mit dem Titel "Umland". Ein weiterer hieß "Menschenbild", ein dritter "Pyramidenzeit". Die letzteren wenden sich zunehmend geistigen Themen zu. Zweifelsohne ist das malerische Werk dieser Jahre stilistisch durch seinen damaligen Professor und späteren Freund Rudolf Schoofs geprägt. Dies verändert sich nach Beendigung des Studiums. Zu seiner großen Leidenschaft wurden Reisen, die ihn zu europäischen und südamerikanischen, häufiger zu asiatischen und afrikanischen Zielen führten. Ein Großteil seiner künstlerischen Arbeit entsteht auf diesen Reisen, oder in Zusammenhang mit ihnen. 1990 zeigte er in einer Ausstellung der Galerie Nöth die Arbeit "Afrika - als mein Großonkel in Rumänien war". Zu sehen sind sowohl Aquarelle aus Afrika, als auch kleinformatige Ölbilder, in die er Fotokopien aus den geerbten Fotoalben seines verstorbenen Großonkels eingearbeitet hat. Diese Arbeit ist programmatisch, weil er die Arbeitsweise über viele Jahre beibehalten wird. Die zahlreichen auf Reisen entstehenden Bilder verbinden Malerei und Fotografie. Die oft großformatigen Bilder, die in den neunziger Jahren im Ludwigsburger Atelier entstehen, sind deutlich flächiger und großzügiger angelegt, als die spontanen, kleinteiligen Papierarbeiten. Oft sind die großen Bilder von einem monochromen Farbgeflecht überlagert. 1996 werden die großen Formate zu schlanken Hochformaten, die aus zwei gleich großen Teilen bestehen. Zwei Bilder, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, treten in Korrespondenz zueinander, oft im Sinne eines Perspektivenwechsels. Zu sehen ist eine Auswahl im Württembergischen Kunstverein in der Ausstellung "Gullivers Reisen". Es folgen mit dem Zyklus "August" kleine Bilder, die den gleichen Gedanken verfolgen. 1998 beginnt die "Schatten-Malerei". Als Rückkehr zur Gegenständlichkeit begreift Johannes Rave die Schatten, die durch auf dem Fensterbrett stehende Gegenstände auf den Atelierboden gewerfen werden. Er malt die Schatten ab und kombiniert sie mit konstruktiven Farbflächen zu Still-leben. 1999 folgt "Schatten" - hier malt Johannes Rave die Schatten einer indonesischen Figur ab, ein Vorgang, den er selbst als Würdigung der Fülle und Fremdheit anderer Kulturen versteht. Es folgen 2000 die eher humorvollen "Zehn preiswerte Ratschläge eines chinesischen Gelehrten". 2001 kehrt Johannes Rave zur Landschaftsmalerei zurück. Die Bilder aus der Reihe "landscapes" zeigen vorbeifliegende Landschaften, wie sie aus einem fahrenden Zug heraus gesehen werden könnten, ergänzt durch zugeordnete Farbflächen, die der Landschaft einen Kontext geben sollen.

vita

Persönliche Daten

1955 geboren in St. Georgen/Schwarzwald

1978 Abitur und anschließendes Studium der Malerei an der Kunstakademie Stuttgart bei den Professoren R. Haegele und R. Schoofs

1988 Reisen werden zum zentralen Thema. Sie führen nach Europa, Asien, Afrika und Südamerika Kleinformatige Arbeiten entstehen unterwegs, größere nach der Rückkehr.

1992 Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg

Ausstellungen

1983 Junge Malerei der Region, Galerie Vayhinger, Radolfzell-Möggingen

1984 Stadt Istres en Provence, Frankreich.

1986 3 Künstler, Galerie Walz und Wetter, Stuttgart 103. Kunstausstellung im Rathaus Waiblingen Umspannwerk 1, Singen

1989 Galerie Brigitte Wetter, Stuttgart (E) Afrika - Als mein Großonkel in Rumänien war, Galerie Nöth, Kirchheim u. T. (E) .

1991 Galerie unterm Turm, Stuttgart Galerie Coiffeur Burg, L.E.-Musberg (E) Umspannwerk 5, Singen

1992 Galerie von Kolczynski, Stuttgart (E) Accrochage - Arbeiten auf Papier, Galerie Grashey, Konstanz

1993 Wege. Stadthalle, Wehr Luftfahrt und andere Reisen, Galerie Grashey, Konstanz (E)

1994 Der neue Adam, Pforzheim Hohenwart Anschließend Iserlohn, Kassel, Hannover, Berlin Kunststiftung Baden-Württemberg, Stuttgart (E)

1995 Versöhnungskirche Waldshut (E) art Frankfurt. Mit Galerie Grashey

1996 Schloß Gaienhofen, Herrmann-Hesse-Museum, Gaienhofen Accrochage, Galerie im Stettener Schloß 1 + 1 = 1, Evangelische Begegnungsstätte Hohenwart (E) Gullivers Reisen, Württembergischer Kunstverein, Stuttgart

1997 QuerSehenDenken, Arbeiten aus der Sammlung Nöth, Galerie der Stadt Wendlingen Jedermann in Vietnam, Galerie der Stadt Sindelfingen im alten Rathaus Maichingen (E) Tor, Eberhard Ludwig Kaserne, Ludwigsburg Kleine und andere Lieblingsstücke, Altes Rathaus Musberg und Galerie Coiffeur. August, Galerie Peter Herrmann, Stuttgart (E)

1998 Eberhard-Ludwig-Kaserne, Ludwigsburg September: Schatten, Galerie 14-1, Stuttgart (E)

1999 Malerei. Mit Johannes Lacher, Galerie Grashey, Konstanz Aktuelle Kunst im Kreis Ludwigsburg, Kunstverein Ludwigsburg Im Schatten, Städtische Galerie Ostfildern (E)

2000 Im Schatten, Galerie Grashey, Konstanz Drei Räume, drei Maler (mit S. Ackermann und Shen Fan) Galerie 14-1, Stuttgart Ausstellungsreihe Lokal-Global: Rafi-Rave: Johannes Rave und Ahmad Rafi, Galerie im Thalhaus, Wiesbaden Über-Blick, Galerie P. Herrmann, Stuttgart

2001 Unterwegs, Galerie 14-1, Stuttgart (E) Kunstmesse Dornhagen mit Galerie 14-1 Über-Blick, Galerie P. Herrmann, Berlin

2002 Zeitweise 2002, Stuttgart (mit Lawson Oyekan, Pascal Marthine Tayou, Johannes Lacher, Tom Leonhardt, Wolfgang Folmer, Bettina Rave, Marie Pittroff, Nicole Guiraud, Thomas Weber) art frankfurt (mit Galerie 14-1) Galerie Grashey

2003 kunst im dick, Esslingen am Neckar (mit Johannes Lacher, Cedric Christie, Lawson Oyekan, Tom Leonhardt, Frank Renner, Rudolf Schoofs, Sara Focke Levin, Sophia Schama, Pippin Drysdale, Allison Britton, Gordon Baldwin, Michael Cleef, Felicity Aylieff, Thomas Weber, Wolfgang Folmer)

(E) Einzelausstellung

jo über...

Ich möchte mich, da es nur schwer möglich ist, die eigene Kunst als Ganzes zu beschreiben, mich hier ausschließlich mit dem Thema meiner letzten Serie "landscapes" befassen.

Schon zu Akademiezeiten bemerkte ich, dass ich mich für gegen-ständliche Kunst ebenso begeistern konnte, wie für gegenstandslose. Daraus erwuchs der Wunsch, beides in einem Bild bearbeiten zu können.

Nach einigen Jahren gegenstandsloser Malerei, habe ich mich, wie in anderen Texten schon beschrieben, in den letzten Jahren, malerisch zunehmend mit gegenständlichen Themen befasst. Die Gegenständlichkeit war und ist eine verhältnismäßige; meist definiert sie sich nur aus dem Umstand, dass ein Gegenstand Ausgangssituation ist, wie z.B. bei meinen Schattenbildern. Streng genommen geht es darum, dem Betrachter eine Assoziationsmöglichkeit anzubieten, ohne ihn dabei festzulegen. Man könnte somit sagen, es gehe eher darum die Gegenständlichkeit zu verschleiern, zu verwischen, als darum, sie herauszuarbeiten.

Wie immer, entstand das Neue eher durch einen Zufall. Das Bild, das nun "landscape 1" heißt, war zunächst ein gegenstandsloses, dessen Fertigstellung ich unterbrach, als mir der landschaftliche Bezug auffiel. Nach monatelangen Überlegungen beschloss ich, der Landschaft eine Farbfläche zuzuordnen, die die Stimmung der Landschaft aufgreift und abstrakt umsetzt. Bei den weiteren Arbeiten gesellten sich eine Anzahl weiterer Landschaften hinzu. Für mich sind sie "Landschaften im Vorbeifahren", Blicke durch Fenster aus Autos oder Zügen, oder aus einer verregneten Glasscheibe heraus.

Johannes Rave November 01/April02